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Land, Gemeinden und landesnahe Betriebe organisieren Ausbildung der Mitarbeiter künftig über die neue „Akademie Burgenland“

Eisenstadt, 9. Dezember 2013. „Mehr Qualität in der Ausbildung bieten, Synergien nutzen und den Teilnehmern neue berufliche Perspektiven eröffnen.“ – Das sind für Landeshauptmann Hans Niessl die zentralen Zielsetzungen, die eine neue Aus- und Weiterbildungseinrichtung der Fachhochschule Burgenland verfolgt. Die neue „Akademie Burgenland GmbH“ wird in Kooperation mit dem Land Burgenland, den Gemeinden und landesnahen Unternehmungen, wie zum Beispiel der Energie Burgenland AG und der Krankenanstalten GmbH, ab dem kommenden Jahr ein gemeinsam entwickeltes Lehr- und Seminarprogramm anbieten. LH-Stellvertreter Franz Steindl begrüßt „das enge Zusammenspiel im Wissens- und Informationstransfer zwischen Land und Gemeinden – es wird die Qualität der öffentlichen Dienstleistung insgesamt steigern“. Die Akademie Burgenland hat ihren Sitz in der Fachhochschule in Eisenstadt. Ihr Ausbildungsprogramm wendet sich an insgesamt 8.000 Mitarbeiter des landesnahen, öffentlichen Sektors im Burgenland. Geschäftsführerin ist Bettina Frank (36) aus Klingenbach – eine Absolventin der FH Burgenland. 

Man müsse mit der Verwendung von Superlativen stets zurückhaltend sein, meint Niessl bei der Präsentation. Im Fall der Akademie Burgenland sei aber der Ausdruck „Quantensprung“ durchaus angebracht. „Die bisherige ‚Verwaltungsschule’ ist Geschichte, wir stellen die Ausbildung im gesamten öffentlichen Bereich auf völlig neue Beine“, betont Niessl: „Und zwar inhaltlich, didaktisch und organisatorisch.“ Er habe vor einem Jahr den Auftrag erteilt, ein neues Ausbildungskonzept zu entwickeln. „Die fachlichen und persönlichen Anforderungen an Mitarbeiter im öffentlichen Bereich steigen permanent. Eine moderne, bedarfsorientierte und wirkungsvolle öffentliche Dienstleistung muss daher auch eine adäquate Unterstützung sicherstellen.“ 

„Ich bin mir sicher, dass durch die Zusammenarbeit das Ergebnis mehr sein wird als nur die Summe aller Einzelteile“, ist Niessl überzeugt. Er sehe durch die neue Ausbildung ein ‚Vorteilsvieleck’ verwirklicht, „weil sowohl das Land als auch die Gemeinden und die Unternehmungen sowie die Mitarbeiter und die Bürgerinnen und Bürger auf unterschiedliche Weise profitieren werden“. Ihm sei auch wichtig, dass sich Bildung bezahlt macht, sagt Niessl: „Daher werden wir künftig Zusatzqualifikationen bei den Besetzungen von Führungspositionen noch mehr betonen.“

Wer die Mitarbeiter in die Lage versetze, die jeweiligen Aufgaben noch besser bewältigen zu können, leiste auch einen wesentlichen Beitrag dazu, die Verwaltungskosten nachhaltig zu senken, ist Niessl überzeugt. Die Gleichung laute: „Weniger Bürokratie und mehr Kompetenz ist gleich wirkungsvolle öffentliche Dienste. – Und das ist unser Ziel.“

Steindl: Gemeinden in ihren Aufgaben unterstützen 

LH-Stellvertreter und Gemeindereferent Franz Steindl verweist auf die vielfältigen Aufgaben, die insbesondere Gemeinden für die Allgemeinheit übernehmen. Da seien etwa der Infrastruktur-, Sozial-, Gesundheits- und Kulturbereich ebenso hervorzuheben, wie auch Aufgaben in der Kinderbetreu-

ung sowie in der schulischen Ausbildung und verschiedentliche Aufsichtsfunktionen, zählt Steindl auf. Nicht zuletzt werden sich die Gemeinden in Zukunft noch intensiver um ihre Standortentwicklung kümmern müssen. „Das reicht von der Attraktivierung des Lebensraums mit leistbarem Wohnraum für Jungfamilien oder Kinderkrippenplätzen bis hin zur Rolle als Wirtschaftsstandort mit Betriebsansiedlungen und Arbeitsplätzen vor Ort.“ Auch der interkommunalen Zusammenarbeit komme in diesem Zusammenhang zunehmend Bedeutung zu. „Folglich bewegt sich auch das Berufs- und Aufga-

benfeld des kommunalen Managements im Spannungsfeld vielfältiger gesellschaftlicher Entwicklun gen, technologischer Möglichkeiten und knapper ökonomischer Ressourcen“, unterstreicht Steindl. 

Um diese vielfältigen aktuellen Aufgaben und neue Anforderungen bewältigen zu können, müsse in den Gemeinden effektiv und effizient gearbeitet und gewirtschaftet werden, ist der Gemeindereferent überzeugt: „Dafür braucht es neben fachlichem Wissen auch Wirtschaftsverständnis und Kenntnisse über Projektmanagement und Planung. Wie in jedem Unternehmen, sind auch in den Gemeindestuben qualifizierte und motivierte Mitarbeiter unerlässlich.“ Mit der Akademie Burgenland werde ein Angebot geschaffen, das die Gemeinden dabei unterstütze und in ihrer Autonomie stärke.

Gemeinden und Städte gestalten Akademie Burgenland mit

Ein Gemeindeamt sei längst schon mehr als ein „Amt“, nämlich eine breit aufgestellte Informations-, Service- und Unterstützungszentrale für die Bürgerinnen und Bürger, unterstreicht der Präsident des Gemeindevertreterverbandes, Erich Trummer. „Daher braucht ein Mitarbeiter in einer Gemeinde neben hervorragenden fachlichen Kenntnissen vor allem auch gut entwickelte soziale Kompetenzen, Kommunikationsfähigkeiten oder auch Krisenfestigkeit.“ Ihm sei daher wichtig, dass in der Akademie Burgenland auch sogenannte ‚soft skills’ und die Persönlichkeitsbildung der Gemeindebediensteten weiter entwickelt werden.

Für Leo Radakovits, den Präsidenten des Burgenländischen Gemeindebundes, ist eine engagierte Aus- und Weiterbildung die wichtigste Voraussetzung, um angesichts der aktuellen Gesetzes- und Regelungsflut eine hohe Qualität der Dienstleistung sichern zu können. „Es reicht nicht, lediglich die Regeln für unser Zusammenleben zu verbessern. Wir müssen auch dafür sorgen, dass die Regeln richtig angewendet werden.“ Die Gemeindeverwaltung, die Gemeindefinanzen oder auch Themen wie Raumplanung und Kommunalentwicklung müssten noch mehr als bisher den Gemeindebediensteten zugänglich gemacht werden. „Mehr Kompetenz bedeutet schließlich weniger Fehler und höhere Qualität.“ 

Besonders in den größeren Gemeinden und Städten rückten immer mehr wirtschaftliche Themen in den Vordergrund, hebt Ingrid Salamon, Obfrau des Burgenländischen Städtebundes, hervor. „Management und Führung, Bilanzierung und Controlling oder auch Haftungsfragen – das sind Herausforderungen, die in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen haben.“ Viele Städte und Gemeinden hätten heute große kommunale Einrichtungen und auch Wirtschaftsbetriebe zu führen. „Umso wichtiger ist es für Führungskräfte in den Kommunen, auch über betriebswirtschaftliche und wirtschaftsrechtliche Kompetenz zu verfügen“, unterstreicht Salamon.

Die Gemeinden und Städte werden über den Aufsichtsrat und über einen so genannten „Programmbeirat“ an der Gestaltung des Lehr- und Seminarangebotes mitwirken und sich auch an der Finanzierung beteiligen.

Inhaltlich breit aufgestellt – MBA-Lehrgang als „Krönung“

Der Entwicklung des Ausbildungsprogrammes sind insbesondere Fokus-Gruppen mit Landes- und Gemeindebediensteten sowie mit Mitarbeitern von Landesunternehmen vorausgegangen. Zudem führte die FH Burgenland eine umfangreiche Online-Befragung in ausgewählten Zielgruppen durch. „Daher wissen wir relativ gut, welche Inhalte den Mitarbeitern wichtig sind, wo sie den dringendsten Bedarf sehen und was sie von einem modernen Ausbildungsprogramm erwarten“, erläutert Frank. 

Auf Basis dieser Erkenntnisse und den gemeinsamen Überlegungen mit Personalverantwortlichen sowie Personalvertretern habe die Akademie Burgenland ihr Programm erstellt. „Für den Start und das erste Halbjahr 2014 sehen wir zunächst 40 Kurse, Trainings und Seminare vor“, so Frank: „Das ist jetzt bereits eine breite Palette, die wir jedoch permanent weiterentwickeln wollen.“ 

Neben Einführungsveranstaltungen und der Vermittlung von Grundlagen möchte die Akademie Burgenland einerseits aufgaben- und funktionsspezifische Lehrgänge anbieten. -Darunter fallen etwa betriebswirtschaftliche Lehrgänge, Projektmanagement, ein Lehrgang für Sachverständige oder auch Sicherheits- und Risikomanagement sowie Personalmanagement.- Andererseits soll das Schulungsprogramm die Fach-, Methoden und Sozialkompetenz in besonderer Weise stärken. „Mittelfristig wollen wir mit der Fachhochschule auch einen betriebswirtschaftlich orientierten MBA-Lehrgang („Master of Business Administration“ im Bereich New Public Management) anbieten, der dem Einzelnen neue Möglichkeiten in der individuellen Karriereplanung öffnet – das wäre sozusagen die Krönung.“ 

FH Burgenland ein starker Partner: große Erfahrung und gute Infrastruktur 

Die Akademie Burgenland in der Fachhochschule zu entwickeln und auch dort anzusiedeln sei ein völlig logischer Schritt gewesen, sagt Frank: „Schließlich verfügt die FH nicht nur über die didaktische Kompetenz und über 20 Jahre Erfahrung in der Organisation von höchstqualitativer Ausbildung, sondern auch über eine moderne und bestens ausgestattete Infrastruktur – sowohl im Norden als auch im Süden des Landes.“ Zudem wolle man die neuen Möglichkeiten, die über Online- und Fernlehre entstanden sind, in der Aus- und Weiterbildung des öffentlichen Bereiches nutzen. 

Die Akademie startet vorerst mit drei Mitarbeiterinnen und einem Jahresbudget von rund 300.000 Euro. Die Kosten werden zum einem aus einem Fixkostenzuschuss seitens des Landes und zum anderen aus Kursbeiträgen abgedeckt. Die Gemeinden, Energie Burgenland, KRAGES und die FH Burgenland haben die Abnahme von Ausbildungskontingenten gesichert. „Damit bleibt ein guter Teil der Ausgaben dieser Unternehmen für Aus- und Weiterbildung in der Region und erhöht die Wertschöpfung im Burgenland“, sagt Frank. 

Das Logo und den Außenauftritt habe man bewusst in „Verwandtschaft zur Fachhochschule“ gestaltet, sagt Frank. Mit dem Zusatz „public competence“ bringe man auf den Punkt, worum es in der Akademie Burgenland geht. Besonders „Bildungshungrige“ könnten sich schon jetzt telefonisch zum Kursangebot informieren. Ebenfalls eingerichtet ist eine Internetseite – „der Vollbetrieb mit allen Angeboten des Lehr- und Seminarprogramms sowie einem einfachen Anmeldetool startet im Jänner“, kündigt die Geschäftsführerin an. Die Web-Adresse lautet: www.akademie-burgenland.at